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Wärme­pumpe im Altbau: die Vorlauf­temperatur entscheidet.

Ob sich eine Wärmepumpe im Bestand rechnet, hängt an einer einzigen Größe – und die lässt sich in den meisten Gebäuden senken, ohne vorher die komplette Fassade zu dämmen.

Warum diese eine Zahl alles bestimmt

Eine Wärmepumpe hebt Wärme von einem niedrigen auf ein höheres Temperaturniveau. Je größer dieser Sprung, desto mehr Strom braucht sie. Die Quelle – Außenluft oder Erdreich – ist vorgegeben. Beeinflussbar ist nur die andere Seite: die Temperatur, mit der das Heizwasser in das Gebäude geht.

Als Faustwert verbessert sich die Effizienz um etwa 2 bis 3 Prozent je Kelvin, um das die Vorlauftemperatur sinkt. Zwischen einer Anlage, die mit 65 Grad fährt, und einer mit 50 Grad liegen damit grob 30 bis 45 Prozent Unterschied im Stromverbrauch – bei identischer Wärmepumpe und identischem Gebäude. Genau hier entscheidet sich, ob die Betriebskostenrechnung aufgeht.

Der verbreitete Irrtum: erst dämmen, dann Wärmepumpe

Die Aussage „Für eine Wärmepumpe muss das Haus erst gedämmt werden" ist zu pauschal. Richtig ist: Die Vorlauftemperatur muss sinken. Dämmung ist einer von mehreren Wegen dorthin – und meistens der teuerste.

Die entscheidende Frage ist nicht, wie gut das Gebäude gedämmt ist, sondern ob die vorhandenen Heizflächen die Wärme bei der geplanten Temperatur in den Raum bekommen. Das ist eine Rechenaufgabe je Raum, keine Eigenschaft des Gebäudes als Ganzes. In der Praxis sind es fast immer wenige Räume, die den Wert der ganzen Anlage nach oben ziehen – ein Eckzimmer, ein Raum unter dem ungedämmten Dach.

Alte Auslegung heißt nicht alter Betrieb

Heizungsanlagen im Bestand wurden häufig auf 70/55 Grad ausgelegt. Daraus wird gern geschlossen, das Gebäude brauche diese Temperaturen. Das stimmt selten: Die Auslegung enthielt Sicherheiten, viele Gebäude haben seither neue Fenster oder ein gedämmtes Dach bekommen, und der Auslegungsfall tritt an wenigen Tagen im Jahr ein.

Ein einfacher Weg, das zu prüfen, ist der Heizungscheck an einem kalten Tag: Vorlauftemperatur schrittweise absenken und beobachten, welche Räume zuerst nicht mehr warm werden. Das Ergebnis ersetzt keine Berechnung, zeigt aber schnell, ob der Bestand näher an 50 oder an 65 Grad liegt.

Was im Mehrfamilienhaus dazukommt

Zwei Punkte unterscheiden das Mehrfamilienhaus vom Einfamilienhaus. Erstens die Warmwasserbereitung: Zentral erzeugtes Trinkwarmwasser verlangt aus hygienischen Gründen deutlich höhere Temperaturen als die Raumheizung. Wird beides über denselben Erzeuger gefahren, bestimmt das Warmwasser die Temperatur – und die Heizung verliert ihren Effizienzvorteil. Getrennte Kreise oder eine nachgeschaltete Erwärmung sind deshalb der Regelfall.

Zweitens die Anlagenstruktur. Wo noch eine Einrohrheizung liegt, ist ein hydraulischer Abgleich technisch nicht möglich; der Umbau auf ein Zweirohrsystem wird damit zur Voraussetzung. Wir haben solche Umbauten unter anderem in der Elli-Voigt-Straße mit 234 Wohnungen und an der Karower Chaussee geplant – in beiden Fällen blieb der Wärmeerzeuger zunächst unverändert, aber das Gebäude war anschließend für den Wechsel vorbereitet.

Sechs Wege zu einer niedrigeren Vorlauftemperatur

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    Raumweise Heizlast berechnen

    Nach DIN EN 12831, Raum für Raum. Erst danach ist bekannt, welcher Raum die Vorlauftemperatur der gesamten Anlage bestimmt – meist sind es wenige.

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    Heizflächen prüfen, nicht pauschal tauschen

    Vorhandene Heizkörper geben bei niedrigerer Temperatur weniger Leistung ab. Häufig reicht es, in den kritischen Räumen zu vergrößern, statt alle zu ersetzen.

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    Hydraulisch abgleichen

    Ohne Abgleich zwingt der unterversorgte Raum die ganze Anlage auf eine höhere Vorlauftemperatur – und damit die Wärmepumpe dauerhaft in den schlechteren Wirkungsgrad.

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    Heizkurve richtig einstellen

    Die häufigste Ursache für enttäuschende Verbrauchswerte ist eine zu steil eingestellte Heizkurve. Das kostet nichts außer Zeit und wirkt sofort.

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    Einrohr auf Zweirohr umbauen, falls nötig

    In Einrohranlagen ist ein Abgleich nicht möglich. Der Umbau ist aufwendig, aber ohne ihn bleibt der Wärmepumpenbetrieb unwirtschaftlich.

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    Bivalent auslegen, wo es sich rechnet

    Wärmepumpe für die Grundlast, Spitzenlastkessel für die wenigen kältesten Tage. Spart Investition und hält die Anlage im guten Betriebsbereich.

Wenn es nicht reicht: die Hybridlösung

Bleibt die nötige Vorlauftemperatur an den kältesten Tagen zu hoch, muss das nicht gegen die Wärmepumpe sprechen. Bei einer bivalent-parallelen Auslegung deckt sie den Grundbedarf, den sie über den größten Teil des Jahres effizient liefert; ein Spitzenlastkessel übernimmt die wenigen Extremtage. Der Vorteil liegt in der Dimensionierung: Eine kleinere Wärmepumpe kostet weniger und läuft in einem besseren Betriebsbereich als eine, die für den Ausnahmefall ausgelegt wurde.

Genau so haben wir ein Wohnquartier von 1959 mit 63 Wohneinheiten geplant: Luft-Wasser-Wärmepumpe für die Grundlast, die auf Brennwert umgerüsteten Bestandskessel für die Spitzenlast, eine PV-Anlage versorgt vorrangig die Wärmepumpe. Das vorhandene Heizungsnetz über 14 Häuser bleibt dabei weitgehend erhalten.

Die genannten Temperaturgrenzen sind Erfahrungswerte zur Einordnung. Die belastbare Zahl für ein konkretes Gebäude ergibt sich aus der raumweisen Heizlastberechnung – ohne sie ist jede Aussage zur Wirtschaftlichkeit eine Schätzung.

Aus unseren Projekten

Unsere Leistung Heizungstausch

Häufige Fragen

Welche Vorlauftemperatur braucht eine Wärmepumpe im Altbau?

Je niedriger, desto besser. Als Faustwert verbessert sich die Effizienz um etwa 2 bis 3 Prozent je Kelvin, um das die Vorlauftemperatur sinkt. Wirtschaftlich wird der Betrieb in der Regel unterhalb von etwa 55 Grad Celsius am kältesten Auslegungstag, richtig gut unterhalb von 50 Grad. Die verbindliche Zahl für ein konkretes Gebäude ergibt sich aus der raumweisen Heizlastberechnung nach DIN EN 12831, nicht aus einer Faustformel.

Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit vorhandenen Heizkörpern?

Häufig ja. Alte Anlagen wurden meist auf 70/55 Grad ausgelegt, laufen im Alltag aber deutlich darunter, weil die Auslegung Sicherheiten enthält und viele Gebäude inzwischen besser gedämmt sind. Entscheidend ist nicht der Heizkörpertyp, sondern ob die vorhandene Fläche die Raumheizlast bei der geplanten Vorlauftemperatur abgibt. Das ist raumweise zu prüfen – oft reicht der Austausch einzelner Heizkörper statt aller.

Muss vor der Wärmepumpe erst gedämmt werden?

Nicht zwingend. Dämmung senkt die Heizlast und damit die nötige Vorlauftemperatur, ist aber nur einer von mehreren Wegen dorthin. Größere Heizkörper in den kritischen Räumen, ein hydraulischer Abgleich und eine korrekt eingestellte Heizkurve wirken in dieselbe Richtung und kosten deutlich weniger. Welche Kombination die wirtschaftlichste ist, sollte gerechnet und nicht pauschal entschieden werden.

Was bringt der hydraulische Abgleich für die Wärmepumpe?

Ohne Abgleich bekommen einzelne Heizkörper zu viel und andere zu wenig Wasser. Um auch den unterversorgten Raum warm zu bekommen, muss die Vorlauftemperatur der gesamten Anlage angehoben werden – und genau die ist bei einer Wärmepumpe die entscheidende Effizienzgröße. Der Abgleich ist deshalb keine Zusatzleistung, sondern die Voraussetzung dafür, dass die Anlage ihre berechneten Werte erreicht. Bei geförderten Maßnahmen ist er ohnehin vorausgesetzt.

Warum ist eine Einrohrheizung ein Problem?

In einer Einrohrheizung durchläuft das Heizwasser die Heizkörper nacheinander in einem Ring. Der letzte bekommt deutlich kühleres Wasser als der erste, und jede Thermostatstellung wirkt auf alle folgenden mit. Ein hydraulischer Abgleich ist unter diesen Bedingungen nicht möglich, und die Anlage braucht dauerhaft hohe Vorlauftemperaturen. Der Umbau auf ein Zweirohrsystem ist deshalb meist die Voraussetzung für einen wirtschaftlichen Wärmepumpenbetrieb.

Wann ist eine Hybridlösung sinnvoller als eine reine Wärmepumpe?

Wenn die nötige Vorlauftemperatur an den wenigen kältesten Tagen deutlich über dem liegt, was die Wärmepumpe effizient liefern kann. Statt die Wärmepumpe für diesen Ausnahmefall zu überdimensionieren – wo sie den Rest des Jahres im ungünstigen Teillastbetrieb liefe –, wird sie auf die Grundlast ausgelegt, und ein Spitzenlastkessel übernimmt die wenigen Extremtage. Im Mehrfamilienhaus im Bestand ist das häufig die wirtschaftlichere Lösung.